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Oliver Reitz

Direktor des Eigenbetriebs Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP)

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Lieferkrise: TRUMPF chartert eigenes Hochsee-Containerschiff

Brüchige Lieferketten, Krieg in der Ukraine und wegen Corona geschlossene Häfen in China: Es ist derzeit schwer, Güter auf den Seeweg zu bringen – das gilt auch für Fracht in die USA. Die Logistikkosten steigen, Schiffe warten wochenlang vor den Häfen, um be- und entladen zu werden. TRUMPF, das Hochtechnologieunternehmen aus Ditzingen bei Stuttgart, hat sich deshalb etwas Besonderes einfallen lassen.
TRUMPF, das Hochtechnologieunternehmen aus Ditzingen bei Stuttgart, hat ein eigenes Hochsee-Containerschiff gechartert, um 49 Laserschneidmaschinen und Produktionsteile in die USA zu exportieren. Die aktuellen Probleme bei den Lieferketten zwangen zu diesem Schritt. Foto: TRUMPF/Lucas Wahl

TRUMPF stellt Laseranlagen her und gehört damit in Deutschland zu den größten Beförderern übergroßer Ladungen in die USA. Mehr noch: Die USA sind mit 655 Millionen Euro Umsatz für TRUMPF der zweitgrößte Absatzmarkt und trotz aller Widrigkeiten boomt die US-Wirtschaft. Die Lösung für den zügigen, sicheren Export ist so simpel wie einmalig: Als eines der ersten Industrieunternehmen Deutschlands hat TRUMPF über ein Logistikunternehmen ein eigenes Hochsee-Containerschiff gechartert.

"Wir gehen nicht davon aus, dass sich die weltweite Lieferketten-Situation zeitnah entspannen wird. Wir suchen deshalb auch künftig permanent alternative Wege die kostengünstig und zuverlässig sind."
Frank Nesselberger, bei TRUMPF in Ditzingen für die globale Maschinenlogistik verantwortlich

Schwerlastkräne haben es im Hamburger Hafen mit 49 Laserschneidmaschinen und Produktionsteilen beladen. Bereits nach rund zwei Wochen Fahrt über den Atlantik ist das Containerschiff in New York ankommen. Da das Schiff nicht die klassischen Terminals anläuft, entfielen lange Wartezeiten vor den Häfen. Die Maschinen erreichen dadurch um bis zu vier Wochen schneller ihr Ziel. 2021 hatten in den USA bereits Konzerne wie Coca Cola, Walmart und Ikea eigene Schiffe gemietet.

Frank Nesselberger ist bei TRUMPF in Ditzingen für die globale Maschinenlogistik verantwortlich. Foto: TRUMPF

WirtschaftsKRAFTplus sprach mit Frank Nesselberger, bei TRUMPF in Ditzingen für die globale Maschinenlogistik verantwortlich, über aktuelle Probleme im Export und über die Charter-Lösung, die den Warenverkehr in die USA sichern soll. Und wir haben nachgehakt, was das Verschiffen der Produkte in Eigenregie gebracht hat.

WKplus: Herr Nesselberger, wie kommt ein schwäbisches Traditionsunternehmen aus Ditzingen dazu, mit einem eigenen Containerschiff den Warenverkehr über den Atlantik zu beschleunigen?

Frank Nesselberger: Lieferzeiten entwickeln sich mehr und mehr zum Wettbewerbsfaktor. Die aktuelle Situation erfordert deshalb kreative Lösungen. Es klang zunächst abwegig, als Hochtechnologie-Unternehmen ein eigenes Hochsee-Containerschiff zu chartern. Doch die Logistikosten rechnen sich für TRUMPF. Die Lieferketten auf der ganzen Welt sind seit mittlerweile rund zwei Jahren angespannt. Das gilt für alle Unternehmen und daher auch für TRUMPF. Wir suchen deshalb permanent alternative Wege, um die Zuverlässigkeit unter den aktuellen Rahmenbedingungen weiterhin hochzuhalten.

WKplus: Wo wird der Warenverkehr denn am meisten ausgebremst?

Frank Nesselberger: Besonders betroffen von Kapazitätseinschränkungen und steigenden Preisen sind die interkontinentalen See- und Luftfrachtverbindungen. Ausgehend von den pandemiebedingten Einbrüchen in China trafen die Auswirkungen davon zunächst Amerika und jetzt Europa.

WKplus: Wie sehen die Exportprobleme konkret aus?

Frank Nesselberger: Konkret heißt das: Fahrpläne gelten nicht mehr, bis zu 90 Prozent der Schiffe kommen unpünktlich an. Mitunter werden kurzfristig Transportmöglichkeiten ersatzlos gestrichen. Container fließen weder see- noch landseitig ab und Leergut wird knapp. Das Ergebnis ist eine aktuelle Überlastung der Containerterminals in Deutschland und Europa.

Das von TRUMPF gecharterte Containerschiff Arneborg nahm im Hamburger Hafen unter anderem 49 Laserschneidmaschinen auf. Das Unternehmen ersparte sich durchs Chartern des Schiffs mehrere Wochen Lieferzeit. Foto: Trumpf / Lucas Wahl

WKplus: Ist das nur ein kurzzeitiges internationales Problem oder wird die deutsche Wirtschaft, die stark vom Export abhängt, noch länger unter den Unwägbarkeiten zu leiden haben?

Frank Nesselberger: Wir sehen die Störungen aufgrund ihrer Vielschichtigkeit als mittelfristiges Phänomen an, das sich nicht so schnell auflösen wird. Die früher gekannte hohe Effizienz und Zuverlässigkeit im weltweiten Containertransport gibt es derzeit nicht mehr. Wir gehen nicht davon aus, dass sich die weltweite Lieferketten-Situation zeitnah entspannen wird. Wir suchen deshalb auch künftig permanent alternative Wege die kostengünstig und zuverlässig sind.

WKplus: Mit über 70 Tochtergesellschaften ist die TRUMPF-Gruppe in Europa, Nord- und Südamerika sowie in Asien vertreten. Produktionsstandorte gibt es in Europa und in Übersee. Was unternimmt TRUMPF, um für sich den internationalen Warenverkehr wieder freier fließen zu lassen?

Frank Nesselberger: Seit Beginn der weltweiten Lieferkettenprobleme prüfen die Logistiker an unserem Firmensitz und in den betroffenen Ländergesellschaften vor allem in Übersee permanent die Auswirkungen auf aktuelle Lieferungen und suchen nach passenden Lösungen für die jeweilige Situation. Wir prüfen dabei etwa alternative Wege über andere Verkehrsmittel, andere Häfen oder Flughäfen, andere Terminals, andere Schiffe oder andere Airlines, um jeweils dem akuten Stau auszuweichen. Es gibt dabei keine Standard-Lösung, weil sich die Situation ständig verändert.

Mit einem gecharterten Containerschiff konnte sich TRUMPF aus dem schwäbischen Ditzingen mehrere Wochen Lieferzeit für den Überseetransport seiner Maschinen vom Hamburger Hafen in die USA sparen. Foto: Trumpf/Lucas Wahl

WKplus: Muss es immer gleich ein Containerschiff sein?

Frank Nesselberger: Neue Logistik-Lösungen müssen immer zu den Anforderungen passen. Kleinere Produkte oder Komponenten können wir auch mal per Flugzeug transportieren. Mit unseren großen Produkten geht das aber leider oft nicht.

WKplus: Haben Sie denn im Unternehmen Erfahrungen mit dem Übersee-Frachtverkehr?

Frank Nesselberger: Die Charter-Lösung bietet uns nun einige Freiheitsgrade. Sie geht allerdings auch mit einer höheren Komplexität in der Abwicklung der Fracht einher. Unterschiedliche Maschinen, Anlagen und Komponenten aus dem gesamten europäischen Produktionsnetzwerk von TRUMPF mussten zu einem bestimmten Termin im Hafen bereitstehen. Das konnten wir nur durch einen erheblichen Koordinationsaufwand unseres Teams auffangen. Wir waren sogar persönlich zur Überwachung der Verladung vor Ort.

WKplus: Das Containerschiff ist sicher in New York angekommen, die 49 Laserschneidmaschinen sind entladen. Hat sich der Aufwand gelohnt?

Frank Nesselberger: Unter den aktuellen Rahmenbedingungen hat sich das Chartern für TRUMPF gerechnet. Wir haben für einige der Maschinen viele Wochen an Lieferzeit gespart, weil uns die aktuellen Terminverschiebungen in den Nordseehäfen voll getroffen hätten.

Schöne Aussicht, schneller Transport: Bei TRUMPF sucht man in der aktuellen Lieferketten- und Transportkrise nach neuen Wegen – und ist beim Chartern eines eigenen Containerschiffs erfolgreich gewesen. Foto: Trumpf/Lucas Wahl

Über TRUMPF

Das Hochtechnologieunternehmen TRUMPF bietet Fertigungslösungen in den Bereichen Werkzeugmaschinen und Lasertechnik. Die digitale Vernetzung der produzierenden Industrie treibt das Unternehmen durch Beratung, Plattform- und Softwareangebote voran. TRUMPF ist Technologie- und Marktführer bei Werkzeugmaschinen für die flexible Blechbearbeitung und bei industriellen Lasern. 2021/22 erwirtschaftete das Unternehmen mit rund 16.500 Mitarbeitern einen Umsatz von 4,2 Milliarden Euro (vorläufige Zahlen).

Mit mehr als 70 Tochtergesellschaften ist die Gruppe in fast allen europäischen Ländern, in Nord- und Südamerika sowie in Asien vertreten. Produktionsstandorte befinden sich in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich und der Schweiz, in Polen, Tschechien, den USA, Mexiko und China. Weitere Informationen unter: www.trumpf.com

pm/tok

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